Wann eine automatische Textkorrektur hilft … und wann nicht

Grafische Darstellung eines Computerbildschirms mit geöffnetem Textverarbeitungsprogramm
Screenshots eines Chatverlaufs mit dem Autokorrekturfehler "Kacke" statt "Jacke"

Dass die Autokorrektur vieler Smartphones meistens eher für Lacher als für eine zuverlässige Korrektur sorgt, ist inzwischen allgemein bekannt. Im Internet kursieren auf verschiedensten Unterhaltungsseiten zahlreiche Beispiele für solche „Fails“. Wie sieht es aber mit der Rechtschreibprüfung von Microsoft Word und anderen Textverarbeitungsprogrammen aus? Im Familien- und Freundeskreis kann man über Missgeschicke wie „Hoden“ statt „Hosen“ noch lachen, aber in geschäftlichen und anderen wichtigen Texten möchte sich niemand peinliche Fehler leisten.

Von Rechtschreibprüfung zu Textprüfung

Zunächst die guten Nachrichten: Besonders in den letzten Jahren hat sich die automatische Prüfung bei Word und Co. deutlich weiterentwickelt. Als die Textverarbeitungsprogramme noch in den Kinderschuhen steckten, konnte nur die bloße Schreibweise eines Wortes überprüft werden. Der Mechanismus war auch noch deutlich fehleranfälliger als heute, so wurden zusammengesetzte Wörter oder auch deklinierte (gebeugte) Wörter häufig nicht erkannt. Später lieferte die Überprüfung zusätzlich auch Hinweise zu Grammatikfehlern. Heute bieten viele Programme darüber hinaus sogar konkrete Tipps für Stil und Formulierungen.

Screenshot aus Microsoft Word. Die Textprüfung schlägt statt "tolle Sache" "großartige Sache" vor, um Umgangssprache zu vermeiden.
Beispiel für die Stilüberprüfung in Microsoft Word.

Die Funktion vieler Textverarbeitungsprogramme hat sich also von einer ursprünglich reinen Rechtschreibprüfung zu einer umfassenden Textprüfung entwickelt. Dennoch kann man sich nicht ohne Weiteres auf sie verlassen, da die Software auch auf dem heutigen Stand der Technik nicht fehlerfrei ist. Mal erkennt sie gravierende Fehler nicht – wie die Rechtschreibprüfung von Microsoft Word in diesen beiden Fällen:

Screenshot aus Microsoft Word. Die Rechtschreibprüfung erkennt nicht, dass ein Verb fälschlicherweise großgeschrieben wurde.
„Befürworten“ ist hier ein Verb und muss daher kleingeschrieben werden.
Screenshot aus Microsoft Word. Die Rechtschreibprüfung erkennt nicht, dass "dass" mit doppeltem s in dem Zusammenhang falsch ist.
Hier müsste es „das“ statt „dass“ heißen.

… Und manchmal sieht sie sogar Fehler, wo gar keine sind:

Screenshot aus Microsoft Word. Die Rechtschreibprüfung schlägt fälschlicherweise "der Profess" statt "die Profess" vor.
„Die Profess“ ist hier tatsächlich richtig.

Automatische Textprüfung = nutzlos?

Sind die Textprüfungen, die die gängigen Programme anbieten, also nutzlos? – Nein, ganz nutzlos sind sie natürlich nicht. Wenn man ihnen nicht kritiklos vertraut, können sie sogar sehr hilfreich sein. Denn ihr Nachteil ist gleichzeitig auch ein Vorteil: Sie sind nicht menschlich. Für die Erkennung von einfachen Tippfehlern sind sie zum Beispiel sehr zuverlässig – anders als das menschliche Auge, das solche Fehler auch gern überliest. Menschen lesen ein Wort nämlich nicht Buchstabe für Buchstabe (es sei denn, sie lernen das Lesen gerade erst), sondern erfassen Wörter als Ganzes. Ein Buchstabendreher fällt dabei nicht so leicht auf. Auch doppelte Wörter überliest man man schnell– ist Ihnen das doppelte „man“ aufgefallen?

Die automatische Rechtschreibprüfung kann also gut als Unterstützung herangezogen werden. Auch Profis nutzen Software, um sicherzugehen, dass sie nichts übersehen haben. Um Irrtümer der Software auszuschließen, muss der Nutzer oder die Nutzerin aber immer das nötige Sprachwissen haben und den Text zusätzlich auch händisch überprüfen. Andernfalls vermittelt das Programm möglicherweise eine trügerische Sicherheit.

[Der Vollständigkeit und Fairness halber muss natürlich ergänzt werden, dass es gewisse Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Softwareprodukten gibt. Beispielsweise hat die Duden-Rechtschreibprüfung („Duden Mentor“) den Fehler mit „das/dass“ im Gegensatz zu Microsoft Word richtig erkannt, nicht aber den „Befürworten“-Fehler. Außerdem wurde „die Profess“ korrekterweise nicht beanstandet, anders als in MS Word.]

Nutzen Sie also ruhig automatische Textprüfungen, um sicherzugehen, dass Ihnen kein Fehler entgangen ist. Testen Sie nach Belieben auch unterschiedliche Produkte, empfehlenswert ist unserer Erfahrung nach zum Beispiel das Tool „Duden-Mentor“.

Denken Sie aber daran, dass solche Programme nicht zu 100 % zuverlässig sind. Eine zusätzliche „menschliche“ Überprüfung ist daher empfehlenswert. Wenn Sie einmal Fragen haben oder eine ausführliche Textkorrektur oder ein Lektorat von Menschenhand wünschen, sind wir gerne für Sie da.

Bildnachweise
großes Beitragsbild: Bild von 200 Degrees auf Pixabay 
Screenshots: eigenes Material

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